In fast jedem Erstgespräch höre ich gerade dieselbe Frage: «Fabienne, lohnt sich SEO überhaupt noch? Die Leute fragen doch eh alle ChatGPT.» Die Frage ist berechtigt. Wer heute etwas sucht, bekommt immer öfter eine fertige Antwort statt einer Liste mit zehn blauen Links.
Menschen sehen jeden Monat Googles KI-Übersichten (AI Overviews) in der Suche.
Quelle: Alphabet Q2 2025, via TechCrunchWas sich gerade wirklich verändert
Früher lief eine Suche so: Frage eintippen, Ergebnisse vergleichen, auf eine Website klicken, lesen. Heute steht die Antwort oft schon auf der Suchseite oder im Chatfenster. Fachleute nennen das Zero-Click-Suche. Wie stark das wirkt, zeigt eine Auswertung des Pew Research Center mit echten Browserdaten:
Basis: Browserdaten von 900 Erwachsenen in den USA, März 2025.
Quelle: Pew Research Center, Juli 2025Das trifft vor allem einfache Wissensfragen. «Was ist ein Funnel?» beantwortet die KI direkt. Anders sieht es aus, sobald es um eine Entscheidung geht. Wer eine Treuhandfirma in Zug sucht oder einen Schreiner für die neue Küche, will am Ende mit einem Menschen sprechen. Die KI kann empfehlen, aber den Auftrag vergibt immer noch ein Mensch. Und der schaut sich vorher deine Website an.
SEO, GEO und AEO: drei Begriffe, ein Ziel
| SEO | GEO | AEO | |
|---|---|---|---|
| Steht für | Search Engine Optimization | Generative Engine Optimization | Answer Engine Optimization |
| Ziel | Weit oben in Google | In KI-Antworten genannt werden | Als direkte Antwort ausgespielt werden |
| Wo | Google, Bing | ChatGPT, Perplexity, Gemini, KI-Übersicht | Snippets, Sprachassistenten, KI-Antworten |
| Was zählt | Technik, Inhalte, Verlinkungen | Klare Aussagen, Expertise, Erwähnungen | Frage als Überschrift, präzise Antwort |
Die drei stehen nicht in Konkurrenz. GEO und AEO bauen auf SEO auf. Wer bei Google nicht gefunden wird, wird auch von den meisten KI-Tools nur schwer gefunden. Mehr dazu in SEO, GEO, AEO: drei Abkürzungen, ein Ziel.
Warum SEO die Grundlage bleibt
KI-Tools erfinden ihr Wissen nicht aus dem Nichts. Für aktuelle Fragen durchsuchen sie das Web und fassen zusammen, was sie dort finden. Eine Website, die technisch sauber ist, schnell lädt und Fragen verständlich beantwortet, wird von Suchmaschinen gefunden und von KI-Systemen gelesen. Eine Website, die langsam ist oder vage bleibt, fällt bei beiden durch.
Dazu kommt Vertrauen. Google bewertet Inhalte nach E-E-A-T: Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Eine erkennbare Person mit echtem Fachwissen, echte Referenzen und Erwähnungen auf seriösen Seiten wiegen mehr als jeder geschickt platzierte Suchbegriff.
Die Frage ist nicht mehr «SEO oder KI?», sondern «Wie werde ich die Quelle, auf die sich beide verlassen?»
Von Klicks zu Erwähnungen
Was sich verändert, ist die Messlatte. Früher hiess die Frage: «Wie viele Besucher kommen über Google?» Heute kommen zwei dazu: Werde ich genannt, wenn jemand eine KI nach meinem Angebot fragt? Und kommen die Besucher, die doch klicken, mit klarerer Absicht? Viele meiner Kundinnen erleben genau das: weniger Besuche für allgemeine Ratgeberthemen, dafür gezieltere Anfragen.
Was das für dein KMU konkret heisst
- Technische Basis prüfen. Lädt deine Website schnell, funktioniert sie auf dem Handy? Mein Web-Vitals-Check gibt dir in einer Minute einen ersten Eindruck.
- Echte Fragen beantworten. Sammle die Fragen, die dir Kundinnen am Telefon stellen, und beantworte sie auf deiner Website.
- Antworten richtig aufbauen. Frage als Überschrift, darunter zwei, drei Sätze mit der Kernantwort, danach Details.
- Google Unternehmensprofil pflegen. Für lokale KMU oft der stärkste Hebel. Hier sind 10 Hacks dazu.
- Zeigen, wer dahintersteht. Über-mich-Seite, Fallbeispiele und Kundenstimmen machen dich glaubwürdig.
- Im Netz erwähnt werden. Verbände, Branchenverzeichnisse, Gastbeiträge, lokale Medien.
Drei Mythen, die ich oft höre
«SEO ist tot.» Was verschwindet, sind Tricks wie Keyword-Stapeln. Was bleibt, sind gute Inhalte auf einer sauberen Website. Genau das braucht auch die KI.
«Ich lasse einfach alles von ChatGPT schreiben.» Texte ohne eigene Erfahrung klingen austauschbar, und austauschbare Inhalte haben keinen Grund, gerade dich zu zitieren. Was Google bei KI-Texten wirklich bestraft.
«Für GEO brauche ich etwas komplett Neues.» Nein. Wer SEO sauber macht, hat den grössten Teil schon erledigt.

